Wolfgang Sigg erhält Ehrenmedaille der Stadt

Veröffentlicht am 08.11.2024 in Gemeinderatsfraktion

Für seine langjährige Tätigkeit in verschiedenen ehrenamtlichen Positionen im Kommunalen, zuletzt als Vorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion, ist Wolfgang Sigg mit der Ehrenmedaille der Stadt Friedrichshafen ausgezeichnet worden. DIe Dankesrede von Wolfgang Sigg kann im Folgenden nachgelesen werden.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Brand, 
lieber Oberbürgermeister im Ruhestand Prof. Martin Herzog,
liebe Kolleginnen und Kollegen des alten und neuen Gemeinderats, 
verehrte Gäste,

zunächst möchte ich mich im Namen der Geehrten bei Ihnen Herr Oberbürgermeister und dem gesamten alten Gemeinderat herzlich für die Ehrung bedanken. Es wäre net notwendig gwää, sagt der Schwabe, gsi der Badener. Aber natürlich freuen wir uns über die Ehrung für langjähriges ehrenamtliches Engagement für unser Friedrichshafen, unsere Heimat.
Ich bedaure sehr, dass mein Freund Heinz Tautkus wegen des Todes seiner Frau heute nicht hier sein kann, er war das langjährigste Mitglied unseres Gemeinderats überhaupt. Wenn man seine Gemeinderatstätigkeit in Ailingen mit dazu rechnet, dann war er sage und schreibe fast 50 Jahre Gemeinderat. Und er war das Gewissen der Stadtplanung unserer Stadt. 
Die heutige Ehrung markiert für uns gleichzeitig den Abschluss einer wichtigen Lebensaufgabe, nämlich der des kommunalen Ehrenamtes. Wir haben das kommunale Ehrenamt als Gemeinderäte oder Ortschaftsräte – meistens – gerne ausgeübt, auch wenn der Arbeitsumfang immer größer geworden ist. Sonst hätten wir uns nicht immer wieder zur Wahl gestellt. Musste man z.B. noch vor 20 / 30 Jahren beim Studium eines Bebauungsplans 3 bis 5 Seiten lesen, so sind es heute häufig 200 bis 300 Seiten. Nur wenige Bürgerinnen und Bürger wissen, welchen Fragen und Aufgaben sich die Räte ihrer Stadt verantwortungsvoll und ehrenamtlich stellen. Vielleicht hat deshalb diie Kritik in der Öffentlichkeit, aber auch im Bekannten- und Freundeskreis am gemeinderätlichen Tun stark zugenommen. 
Ich darf Ihnen sagen, die positiven Seiten des Ehrenamtes überwiegen. Das Schöne an der gemeinderätlichen Tätigkeit ist, dass wir unsere unmittelbare Umwelt, unsere Heimat mitgestalten können. Und Friedrichshafen ist ja eine spannende Stadt zwischen Industrie, Bodenseelandschaft, Kultur und Sozialem. Friedrichshafen steht seit Zeppelin für Innovations- und Wirtschaftskraft. 
Für mich persönlich war Kommunalpolitik immer die interessanteste Politikebene. Gerade hier wird das Leben der Menschen – ihre realen Lebensbedingungen – unmittelbar beeinflusst und geprägt, nicht in Berlin oder Stuttgart. Und zwar beispielhaft durch Kitas, Schulen, Pflegeheime, Volkshochschule, Museen etc. und ein breitgefächertes soziales und kulturelles Angebot, aber auch für so lebensnotwendige Aufgaben wie Trinkwasser- und Stromversorgung.  Ich habe daher nie verstanden, dass die Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen immer wesentlich niedriger ist als bei Landtags- und Bundestagswahlen. Kaum 44 % bei der letzten OB-Wahl sind einfach nicht akzeptabel. Das Wahlrecht ist ein kostbares Gut. Wie viele Menschen wären froh, wenn sie es hätten!
In den Kommunen verwirklichen wir Chancengleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität für alle Mitbürgerinnen und Mitbürger – egal welchen Einkommens. Es macht Freude, zu sehen, wie sich etwas zum Positiven verändert und wie neue „Großthemen“ wie z.B. Umweltschutz, Klimawandel oder Änderung des Mobilitätsverhaltens aufgegriffen und umgesetzt werden. Hier hat Friedrichshafen große Möglichkeiten. Im Vergleich mit den meisten anderen Kommunen stehen wir - vor allem wegen der Zeppelin Stiftung – immer noch relativ gut da, trotz der Probleme bei Klinikum, ZF, ZU und Flughafen. 
Durch die kommunale Selbstverwaltung hat jede Kommune ihr eigenes Gesicht – ihre eigenen Schwerpunkte trotz des „goldenen Zügels“, mit dem Bund und Länder über Zuschüsse versuchen, Standardisierungen zu erreichen. Denken wir hier in Friedrichshafen nur an den Wiederaufbau unserer Stadt und einzelne Leuchttürme, wie das Graf-Zeppelin-Haus, den Buchhornplatz, das Zeppelin Museum, die Volkshochschule, die Musikschule, die Neue Messe, die Dorfgemeinschaftshäuser und unsere Bäder. Die kommunale Selbstverwaltung ist ein Edelstein, der bei jeder Wahl neu geschliffen wird. Wir erfüllen unsere Pflichtaufgaben auf hohem Niveau, aber gerade die freiwilligen Aufgaben, die Kür, prägen unsere Stadt. Hierher gehören vor allem soziale und kulturelle Einrichtungen und Aktivitäten wie z.B. Jugendhäuser, Sportplätze, das Medienhaus, Pflegeheime, Angebote in der Sozialarbeit, die Museumslandschaft, das Seehasenfest, das Kulturufer und vieles mehr. Hieran müssen wir auch in Zeiten knapper Kassen weiterarbeiten.  So ist und bleibt unsere Stadt attraktiv, liebens- und lebenswert. Ich glaube daran, dass wir unsere Stadt und damit unsere Gesellschaft und ihre Umwelt Stück um Stück besser und gerechter machen können. 
Es war meist ein gutes Miteinander zwischen Gemeinderat und Verwaltung und innerhalb des Gemeinderats. Natürlich gab es hin und wieder unterschiedliche Auffassungen zu einzelnen Sachthemen. Aber nach gemeinsamem Ringen einmal gefundene Lösungen wurden akzeptiert. Die Verwaltung hat dabei eine wichtige Aufgabe: Sie muss sich als Ermöglicher verstehen, auch wenn das manchmal schwer fällt. Umsetzen, Machen, zum Wohle der Menschen in unserer Stadt, liefert die Grundlage für die Motivation und den Spaß an der Arbeit, in der Verwaltung wie im Rat. 
Wir sind stolz und dankbar dafür, dass wir unsere Heimatstadt Friedrichshafen lange mitgestalten durften. Wir bedanken uns bei Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen für das gute und offene Miteinander.
Großartig ist, wie mit der Kommunalwahl in diesem Jahr junge Frauen und Männer, die uns älteren im Gemeinderat nachfolgen konnten, neuen Schwung in die Kommunalpolitik bringen werden.
Unser Dank gilt der Verwaltung, Ihnen sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, Ihren Bürgermeisterkollegen und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die konstruktive Zusammenarbeit.
Ihnen Herr Oberbürgermeister wünschen wir alles Gute für Ihren Ruhestand und dass Sie das, was Sie sich für diesen vorgenommen haben, auch umsetzen können. 
Ich fasse zusammen: Wir haben gerne für unsere Stadt gearbeitet, es war uns eine Ehre!

Gez. Dr. Wolfgang Sigg