Spätestens nach den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg, stellen sich viele die Frage, ob die Jugend in Deutschland rechts sei. Unter diesem Thema fand die Diskussionsrunde des Salon Rouge statt.
Spätestens nach den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg, stellen sich viele die Frage, ob die Jugend in Deutschland rechts sei. Unter diesem Thema fand die Diskussionsrunde des Salon Rouge statt.
Zunächst gab Daniela Beck, Referentin an der Fachstelle Extremismusdistanzierung Baden-Württemberg (FEX BW), einen Impulsvortrag zum Thema Radikalisierung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dabei zeigte sie auf, dass am Anfang einer Radikalisierung ein Missstand stehe. Dies könne z.B. die Arbeitslosigkeit sein. An zweiter Stelle wird versucht diesen Missstand zu beheben. Im Falle der Arbeitslosigkeit würden also Bewerbungen an verschiedene Unternehmen verschickt. Gelingt dies nicht, wird in einem dritten Schritt eine Ursache des Problems gesucht. Dabei kommt es zu zentralen Zuschreibungen, wie die Annahme, dass es geflüchtete Menschen seien, die für weniger Arbeitsplätze sorgten. Im vierten und letzten Schritt finde dann eine Entmenschlichung dieser Gruppe statt. Laut Beck kann dieser Prozess schleichend Verlaufen. „Aus geflüchteten Menschen werden erst Flüchtlinge und irgendwann, in einem späteren Stadium, wird von Viechern gesprochen“, so die Expertin. Durch diese Entmenschlichung steige die Gewaltbereitschaft der Radikalisierten.
Seit der Pandemie habe die Radikalisierung von jungen Menschen zugenommen. Dies hänge damit zusammen, dass junge Menschen große Einschnitte erfahren, aber wenig Anerkennung dafür erhalten hätten. „Gerade junge Menschen brauchen soziale Kontakte“, erläutert Beck.
Zum Ende des Vortrages, ging Beck darauf ein, was für junge Menschen besser laufen könnte. Es fehle häufig das Gefühl der gesellschaftlichen Mitbestimmung. „Es ist ganz wichtig, dass wir jungen Menschen zuhören,“ ermahnt Beck. Dass Aktivisten der letzten Generation mit Terroristen gleichgesetzt wurden, habe sie als schlimm empfunden. Dies hätte gezeigt, dass Engagement nicht wertgeschätzt werde. Insbesondere bei jungen Männern werde der Hang zum rechten Spektrum attestiert. Beck führt es darauf zurück, dass gerade junge Männer in einer zunehmend feministischen Welt ihr Rollenbild nicht fänden und auch ein Gefühl des Wegnehmens einsetze. Warum gerade Rechtsextreme bei jungen Menschen wieder höher im Kurs sind? „Die Extremisten hören den jungen Menschen zu. Die gesellschaftliche Mitte macht das viel zu wenig,“ schließt Beck ihren Vortrag.
Die anschließende Diskussion begann mit der Frage, ob junge Menschen in Ostdeutschland aufgrund ihrer Sozialisierung die AfD wählten. Dies könne man lt. der Expertin nicht eindeutig beantworten. Auf der einen Seite habe es nach der Wende einen Anstieg des Rechtsextremismus gegeben, auf der anderen Seite seien große Teile Ostdeutschlands sehr strukturschwach, was zur Perspektivlosigkeit führe.
Eine Teilnehmerin appellierte, die Zusammenarbeit einzelner Institutionen mit den Schulen und Universitäten zu stärken. Sie erlebe es selbst, dass viele Schüler und Studierende Angst hätten einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden.
Moderator Werner Nuber ergreift das Schlusswort, „Es stimmt mich optimistisch, dass in der neuen Shell-Studie die Überzeugung von der Demokratie nicht abgenommen hat und es keinen Rechtsdruck der Jugend gibt“ Der SPD-Ortsverein wird sich weiterhin auf die Sorgen und Nöte, gerade von jungen Menschen, hören. Dabei helfen auch die Mitglieder der Jugendorganisation der SPD, den Jusos, sowie regelmäßige Diskussionsformate, wie der Salon Rouge, als auch die Aktivitäten des Ortsvereins in den sozialen Medien.
