Salon Rouge: Ohne Wohnung - Obdachlosigkeit in FN

Veröffentlicht am 28.06.2026 in Pressemitteilungen

Unter dem Titel „Ohne Wohnung - Obdachlosigkeit in Friedrichshafen“ lud die SPD Friedrichshafen im Juni zu einer neuen Ausgabe der Diskussionsrunde „Salon Rouge“ ein. Unter der Moderation von Ortsvereinsvorsitzender Laura Straub diskutierten Florian Nägele, Leiter Aufsuchende Sozialarbeit, Streetwork, Wohnungshilfe Arkade, sowie Jürgen Kegelmann, Vorsitzender der Teestube Friedrichshafen über die prekäre Situation von Wohnungslosen und suchten nach konkreten Lösungsansätzen für die Stadt.

Die Dimension des Problems ist bundesweit enorm: Rund 56.000 Menschen sind in Deutschland obdachlos. Doch auch in Friedrichshafen ist das Thema hochaktuell. Besorgniserregend ist insbesondere die Situation junger Menschen. Schätzungen zufolge sind allein in Friedrichshafen 30 bis 40 junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren wohnungslos. Ein strukturelles Problem liegt darin, dass die staatliche Jugendhilfe oft bereits mit 18 Jahren endet, während junge Menschen heutzutage im Schnitt erst mit 25 Jahren ihr Elternhaus verlassen. Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang, dass es in Friedrichshafen kein spezielles Jugendhilfe-Haus gibt und die Reform des SGB VIII vor Ort noch nicht ausreichend umgesetzt wird. 

Streetworker Nägele betonte während der Diskussion, dass rein rechtlich gesehen niemand obdachlos sein müsste, da die Kommunen verpflichtet sind, Notschlafplätze zur Verfügung zu stellen. Dennoch zieht es Obdachlose oft in die Städte, was diese stark beansprucht. 

Als Lösungsansatz wurde das in Ravensburg praktizierte Projekt „Housing First“ beleuchtet. Das Konzept sieht vor, den Betroffenen zuerst einen Mietvertrag zu vermitteln und erst im zweiten Schritt mit der sozialpädagogischen Betreuung zu beginnen. Dieser Ansatz gilt als richtig, stößt in der Praxis jedoch auf Hürden: Vermieter bevorzugen oft „unproblematische“ Mieter. Eine Lösung könnte hier ein städtischer Pool oder Fonds für Mietausfälle sein, um Vermietern Sicherheiten zu bieten. Auch die direkte Vorhaltung von Wohnungen gestaltet sich aufgrund möglicher Konflikte mit anderen Mietern oft als schwierig.

Ein weiteres drängendes Thema ist die zunehmende weibliche Obdachlosigkeit. Laut Streetworkern sind aktuell mehr Frauen als Männer auf der Straße anzutreffen. Diese benötigen spezifische medizinische Versorgung, wie etwa gynäkologische Angebote, sowie gezielte Hilfen für Frauen in der Prostitution. Das Streetwork-Team ist hierbei unter anderem in Ailingen und Friedrichshafen aktiv.

Jürgen Kegelmann, Vorsitzender der Teestube, gab wertvolle Einblicke in die ehrenamtliche Arbeit. Er merkte an, dass die ehrenamtliche Arbeit in der Teestube derzeit vor allem ältere Menschen übernehmen, da jüngere unter der Woche kaum Zeit finden. Es gelte generell, die Zivilgesellschaft stärker einzubinden und abzuholen. Es brauche Menschen, die bereit seien, Begegnungen auch außerhalb ihrer eigenen Komfortzone zuzulassen.

Die SPD Friedrichshafen bedankt sich bei allen Gästen für den offenen Austausch. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nun aktiv in die kommunalpolitische Arbeit einfließen, um das soziale Netz der Stadt weiter zu stärken.

Der „Salon Rouge“ ist eine Diskussionsrunde des Ortsvereins der SPD Friedrichshafen zu aktuellen Themen. Der nächste Salon Rouge findet am 20.10.2026 um 19 Uhr statt. Veranstaltungsort ist das Café des GPZ (Paulinenstraße 12). Weitere Informationen unter www.spd-fn.de