Gesundheitsversorgung im Bodenseekreis: Alarmierende Defizite erfordern kreative Lösungen

Veröffentlicht am 27.09.2025 in Aktuelles

Im September fand die Diskussionsrunde „Salon Rouge“ des SPD-Ortsvereins Friedrichshafen statt. Referent Dr. Rainer Röver, Hausarzt und Stadtrat in Überlingen sowie SPD-Landtagskandidat, beleuchtete dabei die Herausforderungen und Perspektiven der Gesundheitsversorgung im Bodenseekreis.

Er zeichnete dabei ein vielschichtiges Bild der aktuellen Versorgungslage: Während einzelne Kliniken in bestimmten Regionen gut aufgestellt sind, fehlt es vielerorts an flächendeckender medizinischer Infrastruktur. „Wir stehen vor großen Herausforderungen, welche die Landespolitik nicht länger ignorieren darf“, so Dr. Röver. Konkret geht er dabei auf die schwierige wirtschaftliche Situation des Medizin-Campus-Bodensee (MCB) ein. Die Stadt Friedrichshafen habe jahrzehntelang die Trägerschaft übernommen und die Kosten getragen. „Die Landespolitik hat sich elegant aus der Verantwortung genommen“, stellte der Experte fest. Oberstes Ziel ist es, die Insolvenz zu vermeiden und die Mitarbeitenden zu halten. „Alle Beteiligten haben zur Aufgabe, an einem Strang zu ziehen und Lösungen zu finden“, forderte Dr. Röver.

Die bundesweite Vorgabe, Klinikbetten zu reduzieren, sei in Teilen richtig. Im ländlichen Bereich in Baden-Württemberg sei eine Reduzierung jedoch bedenklich, um die Versorgung nicht zu gefährden. Aufgrund größerer Distanzen im ländlichen Bereich werden die Rettungsmittel zeitlich länger gebunden. „Wir müssen die Kapazitäten effektiver nutzen, z.B. durch Pop-Up-Kurzzeitpflegeplätze oder palliative Hospitzversorgung“, schlägt Dr. Röver vor.

Besonders kritisch wurde die ambulante Versorgung betrachtet – insbesondere die Nachfolgeregelung von Hausärzten. Als Grund für fehlende Nachfolger sei fehlendes medizinische Fachpersonal. Derzeit werden weniger Fachkräfte ausgebildet, als der Bedarf es erfordert. Zudem müssen viele im medizinischen Bereich ihre Ausbildung selbst bezahlen, was der Experte am Beispiel der Ergotherapeuten erläuterte. „Das muss auf Landesebene geändert werden“, fordert er.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurden die Themen der fehlenden Nachfolgeregelung in Hausarztpraxen sowie die Situation des MCB vertieft. Ein weiteres Thema war die Pflege: Die Ein-Bett-Zimmer-Verordnung gefährde die Wirtschaftlichkeit vieler kleiner Pflegeheime. Dr. Rainer Röver sprach sich für eine Überarbeitung der Landesverordnung aus, um die Versorgung auch in kleineren Häusern langfristig zu sichern. Die Veranstaltung endete mit einem klaren Appell an die Landespolitik, Verantwortung zu übernehmen und nicht länger auszuweichen.