Feminismus ist auch für Männer

Veröffentlicht am 02.04.2025 in Aktuelles

Es gibt viele Gründe, warum wir alle Feminist:innen sein sollten. Die Diskussionsrunde des SPD-Ortsvereins Friedrichshafen beschäftigte sich genau damit. Dabei erklärte Referentin Dr. Defne Erzene-Bürgin, Dozentin für Gender & Migration Studies und Programmdirektorin an der Zeppelin Universität, zunächst die richtige Definition des Feminismus und gab Informationen darüber, wie sich die feministische Bewegung historisch entwickelt hat.

„Feminismus klingt wie Männerfeindlichkeit, doch es ist auch für Männer“, begann Dr. Defne Erzene-Bürgin ihren Vortrag. Feminismus sei eine soziale, politische und kulturelle Bewegung, die sich für Gleichberechtigung und Selbstbestätigung aller Geschlechter einsetze und glaube nicht daran, dass Frauen besser seien als Männer. „Es soll jedem Geschlecht die gleichen Möglichkeiten und Zugänge zu allen Bereichen der Gesellschaft ermöglicht werden“, so die Expertin.

Dabei können sich Männer von toxischen Männlichkeitsnormen befreien und ihre Gefühle ausdrücken, ohne als „schwach“ zu gelten. Die Unterstützung der Männer, ihre Rolle als Väter aktiv zu übernehmen, z.B. durch Elternzeit oder einer gerechten Aufteilung der Familienzeit, sei ein weiterer Vorteil. Ziele des Feminismus seien daher die Gleichstellung der Geschlechter, Bekämpfung von Sexismus, Selbstbestimmung, Abbau von Gewalt und Unterdrückung und das Aufbrechen von Geschlechterstereotypen. 

Dr. Defne Erzene-Bürgin richtete den Blick in die Vergangenheit: „Seit Jahrhunderten kämpfen Frauen für Gleichberechtigung.“ So habe auch der heute bekannte Internationale Frauentag am 8. März das Ziel gehabt, dass Frauen das Wahlrecht erhalten. Die Initiatorin des Internationalen Frauentages war 1910 Clara Zetlin (SPD). „Im Jahr 2025 haben wir Frauen zwar viele gesetzliche Rechte, aber in keinem Land der Welt wurde die Gleichstellung von Frauen und Männern bisher erreicht“, verdeutlichte Dr. Erzene-Bürgin. 

Gewalt gegen Frauen sei ein globales Problem, so geschehe beinahe jeden Tag in Deutschland ein Femizid. „Sie werden getötet, weil sie Frauen sind – das ist ihre Schuld“, unterstrich die Expertin. Nachts meiden 58 Prozent der Frauen in Deutschland Straßen, Plätze oder Parks. Hier sei eine geschlechtergerechte Stadtplanung unumgänglich. Aber auch bezahlbarer Wohnraum sei notwendig, denn Frauen können das Zuhause, in dem sie Gewalt erfahren, oft aus finanziellen Gründen nicht verlassen. Berufliche Segregation, Karriereunterbrechung, weniger Zugang zu Finanzressourcen sowie Bildung und Ausbildung seien Gründe der Ungleichberechtigung. 

Der Gender Pay Gap 2024 lag in Deutschland bei 16 Prozent, d.h. Frauen verdienen bei gleicher Arbeit 16 Prozent weniger als Männer. Der absolute Spitzenreiter ist der Bodenseekreis mit einer Lohnlücke von 38,6 Prozent. Es sei in Deutschland nur knapp jede dritte Frau eine Führungskraft, der neue Bundestag habe einen Frauenanteil von nur 32,4 Prozent. „Frauen müssen sich politisch mehr engagieren, sonst ändert sich an diesen Zahlen nichts“, so Dr. Erzene-Bürgin. 

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde der Zusammenhang zwischen dem hohen Gender Pay Gap im Bodenseekreis und den Kindergarten-Gebühren thematisiert. Außerdem wurde besprochen, wie wichtig bereits im Kleinkindalter Gender- und Medienpädagogik sind. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass die Gleichberechtigung innerhalb der Familien beginnen muss: Beide Elternteile gehen in Teilzeit arbeiten und teilen sich auch die sogenannte unbezahlte Arbeit. „Es gibt große Hoffnung mit der neuen Generation, sie ist viel feministischer“, schloss Dr. Defne Erzene-Bürgin den Salon Rouge. 


BU: Dr. Defne Erzene-Bürgin (4.v.l.) sprach beim Salon Rouge über Feminismus.