Salon Rouge im Juni

Veröffentlicht am 27.06.2023 in Aktuelles

Salon Rouge im Juni: „Grün in der Stadt: bürgerfreundlich, ökologisch, schön“

Die Begrüßung zum Salon Rouge Grün in der Stadt: bürgerfreundlich, ökologisch, schön” übernahm Genosse und Mitglied im Vorstand, Ulrich Bernard. Dabei blickte er auf den ersten Salon Rouge vor fünf Jahren zurück: Dieser erste Salon Rouge zu den Herausforderungen der Stadtentwicklung in Friedrichshafen fand mit Dr. Tillmann Stottele statt. Es ist toll, dass Sie heute Abend wieder bei uns sind.”

Stottele war 27 Jahre für die Stadt Friedrichshafen als Umwelt- und Nachhaltigkeitsbeauftragter sowie Biodiversität im Dienst. Er war maßgeblich an der Entwicklung diverser Energie- und Klimaschutzkonzepte und dem Klimaanpassungskonzept sowie Naturschutz- und Grünflächenstrategien für das Stadtgebiet beteiligt.

 

„Es ist für mich ein besonderer Abend, denn es ist mein erster Vortrag im Ruhestand“, begrüßte Stottele die Anwesenden und startete direkt mit der Feststellung, dass jeder Mensch öffentlich zugängliche Grünflächen brauche, sowohl in der Stadt als auch in den Ortschaften. Dabei sollen pro Mensch mindestens acht Quadratmeter Grünraum bestehen. Im Vergleich dazu habe ein Autostellplatz ungefähr 12 bis 18 Quadratmeter.

 

Die Einwohnerzahl in Friedrichshafen steige kontinuierlich an - seit 2015 allein um 4000 Menschen. Für den nötigen Wohnraum und der Infrastruktur wurden innerstädtische Freiräume überbaut und neue Baugebiete am Stadtrand erschlossen. „Die Siedlungsfläche ist in den letzten Jahrzehnten überproportional gewachsen, überwiegend auf Kosten der Landwirtschaft. Neue Parkanlagen und Erholungsräume sind so gut wie keine hinzugekommen“, stellte der Experte fest. Die Nutzungsintensität sowie die Belastung der Grünflächen sei deutlich höher geworden. Durch die Klimaerwärmung seien in der Innenstadt tropische Nächte mit über 20 Grad zu erwarten. „Es wird nur noch in seltenen Fällen große Stadtbäume geben“, sagte Stottele.

 

Nach seinem kurzweiligen Vortrag lud Stottele die Anwesenden zu einem „Stadtspaziergang“ ein. So wurden diskussionsreich die Rotachmündung, Uferpark, Strandbad im Winter, Freizeitgelände Manzell, Fildenplatz Fischbach, Riedlewald, Karl-Olga-Park, Fallenbrunnen, Alter Friedhof Hofen und der Hauptfriedhof nach den Kategorien Naturausstattung, Park-/Grünflächengestaltung und Aufenthaltsqualität bewertet. „Vieles ist zweckmäßig, aber nicht liebevoll gestaltet“, stellte Laura Straub, Mitglied des SPD-Ortsvereins-Vorstands fest.

 

Die vielen Parkplätze in Friedrichshafen im Vergleich zu den Grünflächen, sprach SPD-Ortsvereins-Vorsitzende Daniela Gubalke, an: „Die großen Parkflächen in Friedrichshafen nehmen viel Raum ein und sind nicht nutzbar als bebaubare Flächen oder als Grünflächen“. Stottele bekräftigte das darin liegende Potenzial und verwies auf das vorbildliche Zeppelin-Parkhochhaus im Industriegebiet Leutholdstraße. Viele Städte hätten durch Landesgartenschauen eine Aufwertung bekommen.

 

Auf den ersten Platz der Auswertung des „Stadtspaziergangs“ kam der Hauptfriedhof. „Das größte Potenzial als kühle Oasen in der Stadt haben bundesweit die Friedhöfe“, erklärte Stottele. Aufgrund der sich verändernden Bestattungskultur sei eine behutsame Umgestaltung möglich. Auf dem zweiten Platz lagen das Strandbad im Winter sowie das Freizeitgelände Manzell. Die Uferanlagen kamen aufgrund ihres überwiegenden Promenadencharakters und der ausgedehnten Festwiesen nur auf einen unteren Rang. Auf dem letzten Platz waren der Fallenbrunnen sowie der Alte Friedhof Hofen. Der Karl-Olga-Park wurde nicht betrachtet, da er bei den Teilnehmenden nicht als ein öffentlicher Park wahrgenommen wurde.

 

Der SPD-Ortsverein spricht sich für den Erhalt und die Erweiterung der Grünflächen in Friedrichshafen aus. Wichtig wäre es zudem die bereits vorhandenen Grünflächen weiter aufzuwerten, um die Aufenthaltsqualität und Naturnähe zu verbessern. Die Umgestaltung des Adenauerplatzes sowie des Uferparks spielen dabei eine wichtige Rolle. Zu überprüfen sei außerdem die Ausgestaltung der Parkplätze.

 

BU: Dr. Tillmann Stottele als Referent beim Salon Rouge zum Thema “Grün in der Stadt” (3. v.r.)