Salon Rouge Oktober: Wehrpflicht nach finnischem Vorbild?

Veröffentlicht am 06.11.2025 in Aktuelles

Die Wehrpflicht und dessen Bedeutung für Gesellschaft und Verteidigung war im Oktober das Thema der Diskussionsrunde „Salon Rouge“ des SPD-Ortsvereins Friedrichshafen. Referentin Barbara Oppelz beleuchtete dabei das Thema am Beispiel Finnlands.
 

Sie zeichnete dabei ein vielschichtiges Bild der finnischen Strategie: Das Land steht mit einer 1340 Kilometer langen Grenze zu Russland vor besonderen sicherheitspolitischen Herausforderungen. Ein Kurzfilm vermittelte anschaulich, wie finnische Reservisten ihre Einsatzbereitschaft aufrechterhalten. „In Finnland gelten Wehr- und Zivildienst als 'Dienst am Volk' und sind gesellschaftlich hoch anerkannt – als Beitrag zum Frieden, nicht als Belastung“, so Oppelz. Während Männer die Grundausbildung absolvieren müssen, sei die Teilnahme für Frauen freiwillig.

Besonders kritisch wurde die Rolle der Reserve betrachtet. Da das finnische Berufsheer naturgemäß begrenzt ist, spielen die gut organisierten Reservisten eine tragende Rolle bei der Landesverteidigung. „Entscheidend in Finnland ist eine aktive Reserve, aus der man Kräfte in kurzer Zeit mobilisieren kann“, stellte die Referentin fest. Im Kriegsfall stünden so 280.000 Kräfte bereit; auf Deutschland übertragen entspräche dies rund vier Millionen Kräften. Für Deutschland könne insbesondere der Ausbau des Reservistenheeres ein Vorbild sein. „Dafür wäre keine Gesetzesänderung notwendig“, betonte Oppelz – anders als bei einer Wehrpflicht für Frauen, die eine Änderung des Grundgesetzes erfordere.

In der anschließenden lebhaften Diskussion wurde deutlich, dass die aktuelle Aufnahmefähigkeit der Bundeswehr Sorgen bereitet. So wurde angemerkt, dass die Bundeswehr personell derzeit gar nicht in der Lage sei, alle Wehrwilligen aufzunehmen: Von jährlich 52.000 Freiwilligen könnten aktuell nur 21.000 angenommen werden. Kritik wurde an der jüngsten politischen Debatte um ein Losverfahren geübt, welches von der Union zu kurzfristig vorgeschlagen worden sei und die Diskussion beschädigt habe. Stattdessen wurde eine Auswahl nach verpflichtenden Musterungskriterien als sinnvoller erachtet, sollte die Musterung wiedereingeführt werden. Gleichzeitig warfen Gäste die kritische Frage auf, wer angesichts des Personalmangels diese flächendeckenden Musterungen überhaupt durchführen solle.
Zum Abschluss dankte der SPD Ortsverein der Referentin für ihren Vortrag.