Matthias Eckmann und Werner Nuber (Foto: Katja Bode)
Caserne in Gefahr, Stadt im Wandel und 10 Jahre „Wir schaffen das“ mit Brigitte Meßmer
Im sozialdemokratischen Podcast vom Bodensee interviewen der amtierende Stadtrat und Fraktionsvorsitzende Matthias Eckmann und der ehemalige Stadtrat Werner Nuber die Friedrichshafener Künstlerin Brigitte Meßmer zu ihrem Schaffen und zu ihrer kulturfördernden Arbeit im „Hafen“.
Mit Hingabe für niederschwellige Kulturangebote und eine prosperierende Kleinkunstszene
Wer weiß schon, was ein RÜB ist. Viel Neues musste die ehemalige Stadträtin aus Friedrichshafen zunächst lernen, als sie 2004 unerwartet auf Anhieb in den Gemeinderat gewählt wurde. Eine Macherin war sie schon immer und nahm auch Lacher in Kauf, um sich in die unvertraute Materie reinzufuchsen. So erfuhr sie durch eine offene Frage während einer Sitzung, wie der Begriff „Regenüberlaufbecken“ (RÜB) abgekürzt wird – sehr zum Amüsement der anderen Anwesenden. Das hat Messmer aber nicht davon abgehalten, den damaligen Kämmerer der Stadt mit ihren eingehenden Fragen dazu zu bewegen, Licht in das Halbdunkel der Lektüre Haushaltsplans zu bringen. Ganz nach ihrem Motto: „Nicht nur motzen, sondern auch Flagge zeigen“ engagiert sich die fünffache Oma mit Kreativität, Hartnäckigkeit und Ausdauer seit den 90er Jahren für den Culturverein Caserne und das Kulturhaus Caserne im Fallenbrunnen. Sie berichtet über den Wandel des Machbaren und die zunehmende Bürokratie, die das Kulturzentrum heute beinahe zum Erliegen bringt. Bereits still gelegt ist hingegen der Wasserturm im Riedlewald, obgleich er mit rund 400.000 €, entsprechend den Vorgaben vom Bauordnungsamt, mit einem behindertengerechten Zugang und Toiletten ausgestattet wurde. Heute stehen die Menschen, die Jahrzehnte lang ihr Herzblut in die Entwicklung des Kulturlebens in der ehemalige Flakkaserne gesteckt haben, im Regen. Sie wissen nicht, wie es in naher Zukunft für sie weitergeht und hoffen auf das Versprechen der Stadt, geeignete Lösungen zu finden: sozusagen ein „Überlaufbecken“, das das Schlimmste verhindert.
Neueste Erhebungen zeigen eine Erfolgsgeschichte der Integration
10 Jahre nach dem viel diskutierten Satz von Angela Merkel „Wir schaffen das“ möchte Nuber wissen, wie die Bilanz aussieht. Meßmer berichtet von ihren Erfahrungen als Lehrerein mit syrischen Flüchtlingskindern, Eckmann verweist auf die 12 Jahre alte euroskeptische Partei aus Oberursel, die ihren Aufschwung auch dem Linksruck der CDU zu verdanken hat. Nuber meint Deutschland hat eine historisch bedingt humane Haltung eingenommen und der Erfolg kann sich sehen lassen. 64 % der syrischen Flüchtlinge sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Dieser Schnitt liegt nur knapp unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Meßmer erzählt, wie schnell viele syrische Kinder sehr gut Deutsch gelernt haben, aber sie deutet auch an, dass sie immer wieder kulturelle Grenzen aufzeigen musste. Nuber warnt vor der „Rolle rückwärts“ beim Demokratieverständnis, der Emanzipation und bei der gewaltfreien Kindererziehung. Dennoch liegt die Chance in der Versachlichung, auch mit Blick auf die neue Regelung, dass Männer im Alter zwischen 18 und 22 Jahren die Ukraine bald verlassen dürfen.
Es bleibt spannend, also es gilt wie immer: „Hört rein, s´isch guat!“
Den Podcast „Zwischendurch politisch“ finden Sie hier.
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