
Ende letzten Jahres war die Diskussion um die Absicherung des Rentenniveaus Gegenstand des öffentlichen Diskurses. Verbunden mit der Frage, wie das Rentensystem in Zukunft funktionieren soll, wenn immer weniger Beitragszahlende auf immer mehr Rentnerinnen und Rentner treffen. Dem hat sich auch der Salon Rouge der SPD Friedrichshafen angenommen. Unter der Leitfrage „Die Rente ist sicher?“, diskutierten die Anwesenden mit Leon Hahn, der sich beruflich mit Betriebsrenten auseinandersetzt.
In seinem Vortrag ging Hahn zunächst auf die drei Säulen des Rentensystems ein. Neben der gesetzlichen Rente sind dies die berufliche Altersvorsorge und die private Vorsorge, wie die Riester- oder die Rürup-Rente. Während die berufliche Altersvorsorge von ungefähr jedem zweiten Beschäftigten genutzt wird, ist die private Vorsorge zunehmend in Verruf geraten. Derzeit ruhen schätzungsweise ein Viertel aller Verträge. Dies liegt unter anderem an Konditionen die zunehmend unattraktiver geworden sind. Hier plant die Bundesregierung aktuell größere Reformen, wie ein steuerlich subventioniertes Altersvorsorgedepot.
Die Rente ist als Sozialversicherung aufgebaut. Das sorgt im Gegensatz zu Steuern für eine Zweckbindung der Einnahmen und für das Äquivalenzprinzip, also dem Grundsatz, dass das in die Versicherung eingezahlte Geld auch wieder ausgezahlt werden muss. „Bei steigender Ungleichheit von Löhnen, kann dies daher später nicht über die Rente ausgeglichen werden“, erklärte Hahn. Da bereits jetzt der Aufwand für Arbeitnehmerinnen und -nehmer hoch ist, schießt der Bund Geld zur Rentenversicherung hinzu. „Dies ist schon jetzt der größte Posten im Bundeshaushalt, ohne Rentenreform droht dem Bund die finanzielle Handlungsunfähigkeit“, betonte Hahn.
In Deutschland beträgt die Rente im Schnitt 53,3% des letzten Nettoverdienstes. Das ist unter dem Schnitt der OECD (63,2%). Eine gute Rente beträgt 70 bis 80% des letzten Verdienstes. Um diese Lücke zu schließen sei eine starke Zusatzvorsorge unabdingbar.
In der anschließenden Diskussion wurde nach weiteren Möglichkeiten zur Finanzierung des Rentensystems gefragt. Hahn erwiderte, dass es jetzt vor allem wichtig sei, die private dritte Säule des Systems wieder zu beleben. Mit der Riester 2.0 und privaten Altersvorsorgedepots legt die Bundesregierung gerade die Weichen in die richtige Richtung. Für die gesetzliche Rentenversicherung könnte über einen Zusatzbeitrag eine kapitalgedeckte Rücklage angelegt werden. Um Ungleichheiten bei der Rente zu beseitigen, sind vor allem Maßnahmen während der Erwerbstätigkeit entscheidend. Z.B. mit Tarifbindung, der Anerkennung von Erziehungs- und Ausbildungszeiten und einer unkomplizierten Zusatzvorsorge.
Der „Salon Rouge“ ist eine Diskussionsrunde des Ortsvereins der SPD Friedrichshafen zu aktuellen Themen. Der nächste Salon Rouge zum Thema Wohnen findet am 24.02.2026 um 19 Uhr statt. Veranstaltungsort ist das Café des GPZ (Paulinenstraße 12). Weitere Informationen unter www.spd-fn.de